Anästhesie im Oberkiefer

Bei Extraktionen im Oberkiefer wird zumeist eine Infiltrationsanästhesie (Umspritzung des Zahns mit einem Lokalanästhetikum) durchgeführt. Der Einstich erfolgt in der Umschlagfalte im Mundvorhof in Höhe der Wurzelspitze. Das Anästhetikum diffundiert (wandert) durch den Knochen, der vestibulär nur etwa 1–3 mm dick ist. Die Wirkung der Anästhesie setzt meist schon nach einer Minute ein und erreicht nach 20 Minuten ihr Maximum. Praktisch kann der Zahn nach 3 Minuten extrahiert werden. Eventuelle wird zusätzlich die Mundschleimhaut am Gaumen durch einen zweiten Einstich anästhesiert. Für den Seitenzahnbereich (Zähne 4 bis 8) erfolgt dieser palatinale (gaumenwärts) Einstich in Höhe des oberen ersten Molaren, ca. 1 cm vom Zahnhals entfernt. Für die Frontzähne (Zähne 13 bis 23) erfolgt der palatinale Einstich dicht neben der Inzisalpapille (Papilla incisiva) und nicht direkt in sie, da sie sehr schmerzempfindlich ist. Der palatinale Einstich kann auch direkt im Gaumenbereich des zu extrahierenden Zahnes erfolgen.

Anästhesie im Unterkiefer

Bei Extraktionen im Unterkiefer wird normalerweise eine Leitungsanästhesie des Nervus alveolaris inferior am Foramen mandibulae (siehe Skizze) gesetzt. Dabei ist durch Aspiration (Ansaugen der Gewebsflüssigkeit) darauf zu achten, dass nicht direkt in die Arteria alveolaris inferior injiziert wird. Indem auch in etwa 10 mm Abstand vom Knochen ein kleines Depot des Anästhetikums gesetzt wird, wird auch der Nervus lingualis anästhesiert. Zur Anästhesie des Nervus buccalis wird seitlich am aufsteigenden Kieferrand und evtl. in der Umschlagfalte des Mundvorhofes (also vestibulär) im Bereich des zu extrahierenden Zahnes eine kleine Menge Anästhetikum injiziert.

Eine Leitungsanästhesie hält normalerweise ca. 2 bis 3 Stunden an, kann aber auch wesentlich länger oder kürzer andauern.

Intraligamentäre Anästhesie

Eine zusätzliche Möglichkeit der Anästhesie bei der Zahnentfernung ist die Intraligamentäre Anästhesie, die sowohl für Unterkiefer- als auch Oberkieferzähne geeignet ist – mit Einschränkungen für den Unterkiefer-Seitenzahnbereich. „Intraligamentär“ heißt: in die Bänder des Zahnhalteapparates, die Sharpey-Fasern. Hierbei wird das Anästhetikum mit einer besonders dünnen (0,3 mm) und spitzen Kanüle in den Parodontalspalt injiziert. Weil dazu sehr hoher Druck erforderlich ist, muss eine Spezialspritze eingesetzt werden (z.B.Citoject-Spritze). Je Zahnwurzel ist mindestens ein Einstich erforderlich. Die Anästhesielösung durchdringt den Zahnhalteapparat einschließlich der knöchernen Alveole bis zur Wurzelspitze des Zahnes und betäubt dort die in das Zahnmark eintretenden Nervenfasern. Bei einer intraligamentären Anästhesie wird insgesamt weniger Anästhetikum je Zahn verabreicht, was besonders bei Risikopatienten (Herz, Kreislauf) von Vorteil ist. Durch geschicktes, langsames Vorgehen des Behandlers sind die Schmerzen für den Patienten geringer als bei anderen Anästhesien.