Die Extraktion (lat. ex-trahere „herausziehen“) ist in der Zahnmedizin die Entfernung eines Zahnes, ohne dass ein größerer Schnitt vonnöten ist. Sie kann normalerweise von jedem Zahnarzt vorgenommen werden. Wie jeder chirurgische Eingriff in den Körper des Menschen zu diagnostischen und/oder therapeutischen Zwecken ist sie ein operativer Eingriff. Auch die Injektion des Lokalanästhetikums ist im engeren Sinne bereits eine Operation, weil die Schleimhaut verletzt wird.

Ist ein größerer Schnitt und die Bildung eines Schleimhaut-Periost-Lappens erforderlich, so fällt das unter den Begriff Operative Zahnentfernung (Osteotomie im zahnmedizinischen Fachjargon: „Aufklappung“).

Öffnet internen Link im aktuellen FensterAnästhesie

Als Anästhesie dient normalerweise eine Infiltrations- oder Leitungsanästhesie. 

Öffnet internen Link im aktuellen FensterIndikation

Man unterscheidet zwischen absoluten und relativen Indikationen.

Instrumente

Wie bei jedem operativen Eingriff sind die eingesetzten Instrumente steril. Dies wird bei uns mittels modernster Methoden (Sterilisationssoftware und Barcodes) kontrolliert und dokumentiert.

Zur Extraktion werden für die verschiedenen Aufgaben und Zahngruppen unterschiedlich geformte Zangen verwendet.

Auch für die Extraktion von Milchzähnen gibt es Spezialzangen.

Zur Durchtrennung der Fasern des Zahnhalteapparates und zur Lockerung der Zähne werden Extraktionshebel (z.B. Beinscher Hebel oder Wurzelheber) verwendet.

Alle diese Instrumente sind aus hochwertigem Stahl gefertigt.

Technik der Zahnextraktion

Der Ausdruck „einen Zahn ziehen“ ist zwar allgemein gebräuchlich, beschreibt jedoch nur sehr unzulänglich die eigentliche Technik der Extraktion. Vielmehr kommt es darauf an, das Zahnfach (Alveole) mit gefühlvollen, geeigneten Hebel- und Kippbewegungen (Luxationsbewegungen) aufzuweiten und zu „erspüren“, wohin der Zahn am ehesten nachgibt. Durch bloßes Ziehen wäre es in den allermeisten Fällen unmöglich, einen Zahn zu entfernen, insbesondere nicht bei den (oberen) Molaren, deren Wurzeln oft stark divergieren. Nach der Extraktion werden die Alveolenwände manuell wieder zusammengedrückt.

Eine normale Begleiterscheinung jeder Extraktion ist eine Blutung aus den verletzten Gefäßen der Gingiva (Zahnfleisches), des Zahnhalteapparates und im Knochen. Normalerweise reicht postoperativ die Einlage eines sterilen Tupfers als Druckverband für ca. 30 min aus. Das entstehende Blutgerinnsel (Koagulum) ist der ideale Wundverband. Um die offene Wundfläche zu verringern, können chirurgische Nähte vorgenommen werden. Das kann bei der Extraktion mehrerer Zähne in einer Sitzung (Reihenextraktion) erfolgen. Bei der Extraktion mehrerer Zähne oder absehbar großflächiger Extraktionswunde kann auch die Eingliederung einer Verbandplatte sinnvoll sein. Erforderlichenfalls kann ein Schmerzmedikament verordnet werden. Das Schmerzmittel soll keine Acetylsalicylsäure (z.B.Aspirin) enthalten, da diese die Blutgerinnung negativ beeinflusst.

Öffnet internen Link im aktuellen FensterMögliche Komplikationen

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNachbehandlung

Im Allgemeinen kontrolliert der Behandler am folgenden Tag die Wunde.

Soweit die Wunde vernäht wurde, müssen nach ca.1 Woche die Nähte entfernt werden - bei einer plastischen Deckung frühestens nach 10 Tagen.

Bei einer alveolitis sicca (Trockene Alveole, dry socket) ist eine Wundrevision durch evtl. Kürettage und anschließendener mehrfacher Tamponade (Streifeneinlage) das Mittel der Wahl. (Sekundäre Wundheilung)

Öffnet internen Link im aktuellen FensterVerhalten nach der Operation

Die Wunde schließt sich normalerweise im Laufe der ersten Wochen nach der Behandlung. (Primäre Wundheilung)

In der ersten Zeit nach der Operation ist das richtige Verhalten für eine gute Wundheilung und die Minderung der unvermeidbaren Folgeerscheinungen wichtig.